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Praxisberichte

Vom Schmuddelkind zur Leitfigur

Dominique Perrault gestaltet Bürotürme als neues Wahrzeichen eines Pariser Vororts

Lange Zeit galten sie als Symbol für Aufstieg und Fall der französischen Automobilindustrie: Die 1975 errichteten und zum Schandfleck verkümmerten Bürotürme Les Tours du Pont de Sèvres am südwestlichen Stadtrand von Paris. Mit seinem Entwurf zur Aufwertung der traditionsreichen Türme gewann Dominique Perrault im Jahr 2007 einen internationalen Architektenwettbewerb. Ein zentrales Element seines Konzeptes zur Sanierung, Umstrukturierung und Erweiterung der Kolosse war die 5.000 Quadratmeter große Agora. Gaëlle Lauriot-Prévost vom Büro Perrault gestaltete das Foyer dieses Bereichs als Treffpunkt und Verteiler der Menschenströme aus insgesamt zehn Türmen. Zur Strukturierung der 1.500 Quadratmeter großen Halle wählte sie deckenhohe Raumteiler aus Edelstahlgewebe vom Typ Escale der GKD – GEBR. KUFFERATH AG. Durch gezielte Beleuchtung der metallischen Textur entstehen vielfältige Reflexionen, die den hellen, einladenden Charakter der repräsentativen Lobby unterstreichen.

Jenseits des Boulevard Périphérique, jener ringförmig um Paris gebauten Stadtautobahn, liegt Boulogne-Billancourt. Diese Gemeinde mit knapp 120.000 Einwohnern grenzt östlich nahtlos an das 16. Arrondissement der Hauptstadt an und gilt deshalb längst als inoffizielles 21. Arrondissement von Paris. An drei Seiten wird der Ort durch die Seine begrenzt, im Norden beginnt der legendäre Stadtpark Bois de Boulogne. Die Pont de Sèvres verbindet – unterhalb des auf einer Seineinsel gelegenen ehemaligen Hauptwerks von Renault – Boulogne-Billancourt mit dem Pariser Vorort Sèvres. Nach dieser wichtigen Verbindungsbrücke wurden neben der dortigen Metrostation auch der nach den Plänen der Architekten Daniel Badani und Pierre Roux-Dorlut 1975 gebaute Hochhauskomplex benannt. Er bestand aus jeweils drei unterschiedlich hohen Bürotürmen mit sechseckigem Grundriss, die wiederum zu drei kleeblattähnlichen Ensembles verbunden wurden. Der größte von ihnen, der Tour Vendôme, bot auf 23 Etagen 31.700 Quadratmeter Nutzfläche, der mittlere, Tour Chenonceau, kam mit 15 Etagen auf 28.500 Quadratmeter und der kleinste, Tour Amboise, hatte auf neun Etagen 16.000 Quadratmeter Nutzfläche.

Zur Jahrtausendwende begann ein umfassender Transformationsprozess für das heruntergekommene Trapèze-Viertel und die Île Seguin. In diesem Rahmen sollte auch der Ortseingang von Boulogne-Billancourt mit den Tours du Pont de Sèvres neugestaltet werden. Ein Jahr nach dem Gewinn des Wettbewerbs zu ihrer Umgestaltung begann Dominique Perrault 2008 mit der Entwurfsplanung für den in CityLights umbenannten Gebäudekomplex. Im ersten Schritt erweiterte er den ehemaligen Tour Chenonceau, der heute City 2 heißt, um ein viertes Hexagon und vergrößerte so die bisherige Bürofläche von 76.200 auf 86.600 Quadratmeter. Nach vier Jahren ergänzender Studien und umfangreicher Asbestsanierung der alten Türme begannen 2013 die Sanierungsarbeiten. Hierbei wurden alle Fassaden und Decken komplett erneuert. Lediglich die formgebende und tragende Betonstruktur der Hochhausblöcke blieb erhalten.

Leuchtendes Wahrzeichen
Für die neuen Fassaden entwarf Perrault eine Kombination aus polierten Aluminiumrahmen und -paneelen mit Glas. Abgestimmt auf die unterschiedlichen Höhen der Türme erhielten zwischen sechs und zehn Etagen prismenartig gefaltete Rahmenkonstruktionen. Diese optische Unterbrechung des vertikal und horizontal linear angeordneten Fensterrasters nahm den Türmen ihre Monumentalität. In die Ecken der durch ihre Faltung schräg auskragenden Rahmen integrierte Perrault spezielle LEDs, die nachts wie ein Brillantarmband funkeln. Das verleiht den Türmen jene von Perrault gewünschte Zeichenhaftigkeit, die sie zum leuchtenden Wahrzeichen – also wahrhaftigen CityLights – am Ortseingang von Boulogne-Billancourt macht. Die gefalteten Rahmen brechen nachts das LED-Licht ebenso vielfältig wie sie tagsüber die Farben von Sonne und Himmel reflektieren. Durch diesen Effekt lässt Perrault die Architektur visuell mit ihrer Umgebung verschmelzen. Um den Komplex auch im alltäglichen Umgang aus seiner Isolation zu befreien und einen lebendigen Ort des Austauschs für die hier arbeitenden Menschen und Anwohner zu schaffen, ersetzte Perrault das alte Zentrum durch einen neuen, deutlich größeren Eingangsbereich. Dieses 5.000 Quadratmeter große Herz des gesamten Gebäudeensembles nannte er in Anlehnung an die zentralen Fest- und Versammlungsplätze der Antike Agora. Von hier aus gelangt man zu zwei Geschäften, fünf verschiedenen Restaurants, einer Kindertagesstätte, einem Konferenzzentrum und einem Fitnessstudio sowie zur Besucherlobby und Rezeption. Auch das neue unterirdische Parkhaus mit seinen drei Etagen ist hierüber zu erreichen.

Lebendiger Austausch
Den Haupteingang zu diesem zentralen Verbindungsbau markiert an der Nordwestseite ein weit auskragendes, rautenförmiges Vordach aus hochglanzpoliertem Edelstahl. Dieses Dach setzt sich im Inneren der Vorhalle fort, so dass seine hochglänzende Unterseite das Tageslicht nach innen weiterleitet. Für zusätzliche Lichtakzente sorgen dort baumartige, deckenhohe Leuchter, die an ihren Ästen jeweils mehrere Strahler im polierten Edelstahlmantel tragen. Zehn geschosshohe Raumteiler aus Edelstahlgewebe strukturieren die visuelle Offenheit des 1.500 Quadratmeter großen Raums. Im Zusammenspiel mit Licht wird die gewebte Struktur zum Filter, der die gewaltigen Dimensionen des Bereichs beinahe spielerisch auflöst. Abhängig vom Beleuchtungs- und Blickwinkel wirken die puristischen Paneele transparent oder blickdicht. Ihr Spiralgewebe dynamisiert durch die Spiegelungen in den gebogenen, sieben Millimeter breiten Edelstahlbändern den gesamten Raum. So stehen die bis zu sechs Meter breiten und 9,5 Meter langen Paneele im permanenten Austausch mit der lebhaft frequentierten Umgebung – wahlweise als Kulisse oder Hauptdarsteller. Ein Effekt, den Perrault schon bei vielen seiner Erfolgsprojekte eingesetzt hat. Im Foyer der CityLights kombiniert er die besondere Ästhetik der Spiralgewebe mit der Funktion als diskreter Sichtschutz (Escale 7×1) oder Absturzsicherung (Escale 7×2). So flankieren dezent schimmernde Gewebepaneele auch die breiten Treppen, die zu den beiden anderen Ebenen des Foyers führen. Auf den Plateaus formen sie Gänge, um die Besucherströme zu ihren unterschiedlichen Zielen zu geleiten. Angesichts des hohen Publikumsverkehrs in dem Foyer sprachen aber nicht nur Ästhetik und Funktionalität für die Wahl des Edelstahlgewebes, sondern auch seine bewährten Eigenschaften wie Wartungsfreiheit, Robustheit oder Nichtbrennbarkeit. Als raffinierten Kontrapunkt zu der textilen Struktur gestaltete Gaëlle Lauriot-Prévost hochglänzende Deckenleuchten, die wie stilisierte Vögel aus Edelstahl geformt wurden. Das Arrangement dieser Albatros genannten Lichtinstallation erinnert an ein riesiges Mobile. Die schwebenden Vögel reflektieren das Licht und treten in einen lebhaften Dialog mit den gewebten Wänden. Durch dieses ganzheitliche Konzept eines permanenten Austauschs der Architektur mit ihrer Umgebung schuf Perrault einen zeitgemäßen Bürokomplex, der die gestalterische Idee des in die Jahre gekommenen Wahrzeichens behutsam aufgriff und zu neuer Blüte führte.

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