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Praxisberichte

La maille, c’est moi

Königliche Renovierung des Haupteingangs von Schloss Versailles

Nur wenige Bauwerke in Frankreich verkörpern so stark die nationale Identität der Grande Nation wie Schloss Versailles südwestlich von Paris. Sein unverwechselbarer Pluralismus der Stile spiegelt die bewegte Geschichte der prächtigen Palastanlagen Ludwigs XIV. wider, deren Ursprung ein 1623 errichtetes Jagdhaus war. 2003 rief der französische Staat ein 500 Millionen Euro schweres Renovierungsprogramm ins Leben, um Schloss Versailles zu neuem Glanz zu verhelfen. Ein Schwerpunkt des Grand Versailles genannten Masterplans war die Renovierung des Pavillon Dufour mit Neuorganisation der Besucherströme. 2011 gewann der französische Stararchitekt Dominique Perrault den internationalen Architektenwettbewerb. Als einziger Teilnehmer verzichtete er auf einen zeitgenössischen Anbau im Cour des Princes. Stattdessen verlegte er die notwendige bauliche Erweiterung in Form eines neuen Kellergeschosses unter die Erde. Im Erdgeschoss knüpfte er durch eine skulpturale Deckengestaltung aus goldenem Metallgewebe der GKD – GEBR. KUFFERATH AG (GKD), farblich abgestimmte gewebte Wandelemente und ausladende goldglänzende Hängeleuchten an die tradierte Opulenz des Märchenschlosses an.

100 Jahre nach Beginn des Umbaus vom Jagdsitz zum Prunkpalast setzte 1789 die französische Revolution einen Schlussstrich unter die fortwährende architektonische Erweiterung von Schloss Versailles und seiner Gartenanlagen. Damit schien das Lebenswerk des absolutistischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. dem Untergang geweiht. Doch Bürgerkönig Louis-Philippe I. verhinderte den drohenden Abriss des Schlosses, indem er es 1830 zum Nationalmuseum erklärte. 150 Jahre später wurden Schloss und Parkanlagen Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Im Rahmen des bis 2020 laufenden Masterplans Grand Versailles werden seit 2003 die historischen Gebäude, Dekors und Gartenanlagen sukzessive restauriert, die technische Infrastruktur auf den neuesten Stand gebracht und das Besuchermanagement inhaltlich wie funktional vollständig reorganisiert. Neben einem behindertengerechten Zugang, zeitgemäßem Service und Rahmenangeboten wie Gastronomie und Hotel zählen dazu vor allem die Trennung von Ein- und Ausgang sowie die Schaffung eines zentralen Eingangs. Eine entscheidende Rolle hierbei spielt der Pavillon Dufour, dessen Bau im 18. Jahrhundert begonnen, aber bis in die Gegenwart nicht vollendet wurde. Deshalb schließt seine Südfassade am Cour des Princes nicht nahtlos an den alten Flügel der Schlossummantelung an. Ursprünglich als Pendant zum Pavillon Gabriel auf der gegenüberliegenden Seite des Cour Royale geplant, bewirkt diese Unvollendetheit eine gewisse Asymmetrie der Anlage. Nach dem Entwurf des Bauherrn vor 200 Jahren sollten die beiden Pavillons als zwei Eingänge dienen – ein Gedanke, den erst Perrault jetzt in die Tat umsetzte.

Goldener Baldachin für das Foyer
Er schuf mit der Renovierung des Pavillon Dufour einen 2.700 Quadratmeter großen modernen Empfangsbereich für die rund 6 Millionen Individualbesucher im Jahr. Besuchergruppen betreten das Schloss durch den zweiten Eingang im Pavillon Gabriel. Alle Besucher verlassen das Museum durch den Pavillon Dufour. Ein Café und Restaurant mit Sterne-Gastronomie sowie ein Hotel im ersten Stock und ein Auditorium für 200 Personen unter dem Dach führen auch Nicht-Museumsbesucher an das monumentale Bauwerk Ludwigs XIV. heran. Die Fertigstellung dieser öffentlichen Einrichtungen ist für 2017 geplant. Für das Museum basiert Perraults Konzept der Besucherführung auf einer strikten Chronologie der Räumlichkeiten. Vom Cour Royale gelangen die Besucher durch den Pavillon Dufour ins Schloss. Eine einleitende Säulenhalle führt sie in das prachtvoll dekorierte Foyer im Erdgeschoss des Pavillons, das Perrault zum opulenten Entree in die barocke Welt von Schloss Versailles verwandelte. Für die notwendige Weitläufigkeit ließ er fast alle Innenwände des Bereichs einreißen und die Böden nivellieren. Als Hommage an Sonnenkönig Ludwig XIV. und seinen berühmten Spiegelsaal gestaltete er nach dem Entwurf von Gaёlle Lauriot-Prévost eine goldene Decke, die sich wie ein gigantischer Baldachin in unregelmäßig großen Wellen entlang des gesamten Foyers schwingt. Während im historischen Vorbild der Sonne zugewandte Spiegel das durch die Fenster einfallende Sonnenlicht reflektieren und mit diesem Lichtspiel den goldenen Dekor inszenieren, setzte Perrault auf Metallgewebe von GKD, um den königlichen Lüster zu adaptieren. Einmal mehr wählte er dafür Aluminiumgewebe vom Typ Escale 5 x 1, das er schon bei vielen seiner Erfolgsprojekte überaus variantenreich einsetzte. Auch für den Pavillon Dufour interpretierte er diesen Gewebetyp neu. So ließ er nach dem Zufallsprinzip in die fünf Millimeter breiten und ein Millimeter dicken spiralförmig geschlungenen, goldenen Flachdrähte Aluminiumstäbe in unterschiedlicher Länge einschieben, die in drei verschiedenen Goldtönen eloxiert waren. Der dadurch entstehende – teilweise wie ausgefranst anmutende, teilweise aber auch an Ausbrennerstoffe erinnernde – Effekt verleiht dem geschmeidigen Gewebe eine noch nie zuvor gesehene, plastische Wirkung. Wandbehänge aus dem in gleicher Art gestalteten Material unterstreichen den subtilen Bezug zum historischen Dekor, von dem sich Gaёlle Lauriot-Prévost auch für die übrige Innengestaltung des Pavillon Dufour inspirieren ließ. Hochglänzender Kontrapunkt zu dem seidenmatten Schimmer der geschwungenen Gewebebahnen sind goldene Hängeleuchten aus mehrlagigen,  gebogenen Aluminiumstreifen, die Assoziationen an Palmenwedel wecken und zugleich eine Referenz an die kolossalen Kronleuchter im Schloss sind. Das von ihnen reflektierte Licht tritt in einen diskreten Dialog mit dem gewebten Baldachin. In den anthrazitfarbenen Boden eingelegte Bänder aus goldenen Metallplanken, die an der jeweils angrenzenden Außenwand bis zur Decke hoch fortgeführt werden, beantworten die üppigen Schwünge der Deckendekoration mit linearer Strenge.

Architektur des Verschwindens
Über eine Treppe gelangt der Besucher vom Foyer in das neugeschaffene Kellergewölbe, in dem sich neben Garderoben, Toiletten und Schließfächern auch der Museumsshop befindet. Dieser unter die Erde verlegte Raum ermöglichte Perrault den Verzicht auf einen Anbau, so dass das Äußere der Gebäude nahezu unverändert beibehalten blieb. Mit dieser Idee interpretierte er sein Leitmotiv der Architektur des Verschwindens in schon von der Radsporthalle Berlin oder dem Campus der Frauenuniversität Ewha in Seoul bekannter Manier: Von außen unsichtbar, übernimmt sie – unter der Erde verborgen – komplexe Aufgaben. In Versailles konnte Perrault so die gigantischen Besucherströme entwirren und zeitgemäßen Komfort schaffen. Der Respekt Perraults gegenüber der historischen Architektur gipfelt in einer langgestreckten Steintreppe, über die die Besucher am Ende ihres Rundgangs wieder ins Freie auf den Cour des Princes gelangen. Für den Bau der Treppe ließ Perrault einen Graben entlang des gesamten alten Schlossflügels ausheben. Flankiert durch eine Wand aus getöntem Glas in goldenen Rahmen und hellen Marmor auf der gegenüberliegenden Treppenwange steigt sie sanft bis zum Cour des Princes an. Wie Standarten über den Köpfen der Besucher drapierte Bahnen aus golden eloxiertem Metallgewebe geben ihr dabei einen Hauch von königlichem Glanz. Die gläserne Wand dient zugleich als Lichtschacht für das Untergeschoss. Im breiten Zwischenraum der nach innen gedoppelten Glaswand verleihen dezent beleuchtete Bodenbeläge aus Escale-Gewebe von GKD dem nach innen geleiteten Tageslicht den warmen Schimmer einfallender Sonnenstrahlen. So gelang es Perrault mit der Renovierung des Pavillon Dufour, „ohne Geschichtsglättung die sympathische Unregelmäßigkeit der Anlage“ beizubehalten. Mit großer Behutsamkeit gegenüber gebauter Form, Materialien und Farbigkeit schuf er charismatische Räume, die die glanzvolle Geschichte von Schloss Versailles würdig fortschreiben. Frankreichs Staatspräsident François Hollande ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, den neuen Eingang zum Schloss persönlich einzuweihen. Angesprochen auf das von Perrault so prägnant  eingesetzte Metallgewebe von GKD sagte er: „Das ist wohl das künstlerischste aller Industrieprodukte, oder sollte ich sagen, das industriellste aller Kunstwerke?“ Ein Ritterschlag für Perrault, der dieses Material Anfang der 1990er-Jahre für den Bau der Bibliothèque Nationale de Paris entdeckt hatte, und für GKD, die weltweit führende technische Weberei für Architekturgewebe.

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